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Bräuche zu Sankt Martin: Laternenzüge, Lieder und Gans

Am 11. November ziehen Kinder singend durch die Straßen. Der Grund ist ein Bischof, der durch eine Mantelteilung zur Legende wurde.

Bräuche zu Sankt Martin: Laternenzüge, Lieder und Gans

Sankt Martin: Das Teilen seines Mantels und die Gans zeichnen ihn aus. Auch mehr als 1.600 Jahre nach seinem Tod löst sein Gedenken vor allem bei Kindern Freude aus. Die Biographie des heiligen Martin ist sehr gut überliefert und die Wurzel des Brauchtums, das wir heute kennen. Doch wie wurde der römische Soldat Priester zum Bischof und Heiligen?

 

Am 11. November, dem Tag der Beisetzung des heiligen Martin von Tours, ziehen Martinszüge durch die Straßen. Singende Kinder verwandeln mit selbstgebastelten Laternen die Straße in ein Lichtermeer und erfreuen sich an allerlei Martinsgebäck. Wie die Legende um Sankt Martin Form annahm und die Gans hinzukam.

Der Soldat Martin und das Wunder der Mantelteilung

Martin von Tours wurde 316/17 in Ungarn geboren und wuchs in Italien auf.  Durch seinen Vater schlug Martin schon mit 15 Jahren die Laufbahn als Soldat ein. Er diente unter den beiden Kaisern Konstantin dem Großen und seinem Nachfolger, Konstantin II., als römischer Soldat.

 

Während seiner Stationierung in Amiens fand das Ereignis statt, das ihn zu einem der populärsten Heiligen der Katholischen Kirche machte: Mitten im kalten Winter trifft er vor den Toren Amiens auf einen unbekleideten Bettler. Martin, selbst nur mit Schwert und Mantel bekleidet, teilt diesen mit dem Armen. Im Traum erschien ihm in der folgenden Nacht Christus mit dessen Mantel bekleidet.

Wie aus dem Soldaten Martin Priester, Bischof und Heiliger wurde

Martin, der sich während seiner Zeit als Soldat auf die Taufe vorbereitet hatte, ließ sich Jahre später taufen. Missionierungsversuche in seiner Heimat scheiterten und so er zog sich in die Nähe von Tours zurück. Als dort ein neuer Bischof gesucht wurde, fiel die Wahl – maßgeblich von der Bevölkerung gewollt – auf Martin.

 

Obwohl zum Bischof ernannt, lehnte Martin jegliche Machtinsignien ab und zog es vor, in der Gemeinschaft seiner Brüder zu leben. Sein Bischofsthron war ein einfacher Hocker, seine Residenz eine karge Klosterzelle. Den Menschen zu dienen und ein wahrer Seelsorger zu sein, lag ihm als Bischof am Herzen. Das brachte ihm schon zu Lebzeiten Bekanntheit und Verehrung ein. Auf einer seiner vielen Seelsorgereisen – auch über die Grenzen seines Bistums hinweg – starb er im Alter von 81 Jahren in Candes.

 

In einer Lichterprozession wurde sein Leichnam am 11. November nach Tours überführt und beigesetzt. Sein Gedenktag ist daher nicht sein Todestag, sondern der Tag seiner Beisetzung. Sein Grab in Tours, über dem im 5. Jahrhundert zunächst eine Kapelle und später eine Basilika errichtet worden war, wurde rasch zu einem bekannten Wallfahrtsort.

Laterne, Martinsgans und Co: Der Brauch entwickelt sich

Der Brauch der Martinsgans geht nach einer sogenannten Sekundärlegende aus dem 16. Jahrhundert auf die Wahl Martins zum Bischof zurück: Es wird berichtet, er habe sich aus Furcht vor den Menschen in einem Gänsestall versteckt. Die schnatternden Gänse verrieten ihn. Er wurde gefunden und zum Bischof ernannt.

 

Desweiteren war der Martinstag der Vortag des Adventsfastens. An diesem Tag endete das bäuerliche Pachtjahr, an dem die Pacht ausbezahlt und Verträge ausgehandelt wurden. Sommer und Herbst wurden verabschiedet und die Ergebnisse der Ernte genossen – die schlachtreife Gans musste als Festbraten herhalten.

 

Die heutige Form des Martinsbrauchs stammt aus der Zeit um 1900. Nach 1945 blühte die Tradition erneut auf. Sogenannte Martinstüten wurden einer Statue des Heiligen zu Füßen gelegt und anschließend an Bedürftige verteilt.

 

Bekannte Lieder aus dem 19. Jahrhundert zeichnen die Vita des Heiligen nach („Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“), während die jüngsten Texte das Licht in der Dunkelheit (Laterne) ohne Martinsbezug in den Vordergrund rücken. (mac)

 

 

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