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Caritas-Therapiezentrum: über 30 Jahre Einsatz für traumatisierte Flüchtlinge

Köln - Verabschiedung von Leiterin Brigitte Brand-Wilhelmy in den Ruhestand und Vorstellung der neuen Leiterin Susanne Nießen
31. Januar 2018; Newsdesk/Je, Caritasverband für die Stadt Köln

v.l.: Susanne Nießen (neue Leiterin), Brigitte Brand-Wilhelmy (re. Gründerin und langjährige Leiterin des Therapiezentrums).

Brigitte Brand-Wilhelmy entwickelte vor etwa 35 Jahren das Konzept für das Therapiezentrum für Folteropfer. In den 1980er Jahren steckte die Arbeit mit traumatisierten Menschen nach Kriegserlebnissen, Folter und Flucht noch in den Kinderschuhen. Nach langen Verhandlungen konnte das Therapiezentrum schließlich 1985 als Modellprojekt des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) an den Start gehen.

 

Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen und Angstzustände

Damals flohen viele Menschen vor Folter und Verfolgung aus der Militärdiktatur in der Türkei. Seitdem gab es immer wieder neue Krisenherde und Kriege auf der Welt, die Menschen zur Flucht zwangen und deren Weg sie mit schweren Traumatisierungen in das Kölner Caritas-Therapiezentrum führte.

 

Während des Jugoslawienkrieges kamen zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland, darunter viele Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen waren, weil das als Kriegswaffe eingesetzt wurde. Viele Menschen kommen auch aus afrikanischen Ländern. Es sind vor allem Bürgerkriegsflüchtlinge aus der ganzen Welt, auch einige, die während ihres Fluchtweges traumatisiert wurden. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia, darunter auch zahlreiche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie haben posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Angstzustände und chronische Schmerzen. Unbehandelt können sich diese Störungen bis in die dritte Generation auswirken.

 

Therapiezentrum war Pioniereinrichtung

Das Therapiezentrum ist eine Besonderheit in der bundesweiten Caritas und ein Alleinstellungsmerkmal für die Kölner Region. Es arbeitet engmaschig im Rahmen von Therapie und Sozialarbeit und trägt maßgeblich zur psychosozialen Versorgung und Netzwerkarbeit für traumatisierte Flüchtlinge, Flüchtlingskinder/-jugendliche sowie Familien bei. Zu Zeiten seiner Gründung galt es als Pioniereinrichtung und zählte zu den ersten seiner Art.


Traumatisierte Flüchtlinge brauchen Ruhe und Schutz, Sicherheit und Stabilität. Sie müssen einen Umgang mit den im Heimatland und/oder auf der Flucht gemachten gewaltvollen, bedrohlichen und schwer erschütternden Erfahrungen finden und lernen, mit diesen Erfahrungen zu leben. Mit Hilfe der therapeutischen und sozialarbeiterischen Begleitung des Therapiezentrums können sie wieder Fuß fassen und ein neues Leben aufbauen.

 

Trotz hoher, bundesweiter Anerkennung ihrer Arbeit bei Politikern und Kirchenvertretern blieb über Jahrzehnte die Refinanzierung unsicher. Über EU-Projekte, Unterstützungen durch den UNHCR und UN Genf, die katholische Kirche, den Deutschen Caritasverband und die Kölner Caritas konnte die Arbeit kontinuierlich ausgebaut werden.

 

40 % der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, gelten als schwer traumatisiert

Der tatsächliche Bedarf an intensiver psychotherapeutischer Behandlung und Begleitung unter Flüchtlingen in Köln und Umgebung ist mindestens drei- bis viermal höher, als er zurzeit durch das Angebot des Therapiezentrums für rund 1000 traumatisierte Flüchtlinge im Jahr gedeckt werden kann.


Mit seiner Innovationskraft steht das Therapiezentrum als Geburtsort für die Arbeit des Caritasverbandes Köln mit und für Flüchtlinge. Diese hat sich in den vergangenen Jahrzehnten quantitativ und qualitativ weiterentwickelt und geht heute deutlich über die Angebote des Therapiezentrums hinaus: Die Flüchtlingsarbeit der Kölner Caritas umfasst Beratung, Qualifizierung, Wohnen, wie z. B. Auszugsmanagement, Betreuung von Flüchtlingsunterkuünften und sozialpädagogische Angebote, Freizeitgestaltung, Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement wie Lobby- und Gremienarbeit.


Dipl.-Psychologin Brigitte Brand-Wilhelmy war es, die die Notwendigkeit eines Therapiezentrums verfolgte und es 1985 aus der Taufe hob. Obwohl die finanziellen Rahmenbedingungen des Therapiezentrums lange Zeit sehr schwierig waren, ist es ihr gelungen, die Arbeit auszubauen, fachlich qualifiziert weiterzuentwickeln und ihr einen bundesweit anerkannten Stellenwert zu verschaffen. Der damalige Finanzminister Schäuble war bereits hier, Kardinal Woelki unterstützt und schätzt die Einrichtung. Im Beirat des Therapiezentrums engagierte sich der mittlerweile verstorbene Gründer der Cap Anamur, Rupert Neudeck. Schriftsteller Navid Kermani ist prominenter Förderer dieser Arbeit für traumatisierte Flüchtlinge.


Begonnen hat die Arbeit mit drei Mitarbeitenden, jetzt ist das Team auf 16 Psychologen und Psychotherapeuten sowie Sozialarbeiter angewachsen, die sich  für traumatisierte Flüchtlinge einsetzen und ihnen zurück ins Leben verhelfen.

 

Gründerin übergibt Lebenswerk

Brigitte Brand-Wilhelmy verabschiedet sich jetzt von ihrem Lebenswerk in den Ruhestand und übergibt die Leitung an Dipl.-Psychologin Susanne Nießen. Diese hat bereits viele Jahre als Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin traumatisierte Menschen im Therapiezentrum behandelt.

 

Eine Therapie macht es oft erst möglich, dass andere Maßnahmen wie Arbeitsmarktintegration greifen können. 40 % der Flüchtlinge gelten als traumatisiert und benötigen dringend therapeutische Unterstützung und ergänzende Sozialarbeit. Die einzelnen Angebote der Caritas-Flüchtlingsarbeit sind wichtige, sich ergänzende Bausteine. Der Bedarf an Psychotherapie wird auch in Zukunft anhaltend hoch sein. Die 51-jährige neue Leiterin des Therapiezentrums Susanne Nießen ist überzeigt: „Wichtig ist es, weiterhin Psychotherapie (einzeln und in Gruppen) und ergänzende Sozialarbeit als eng zusammenarbeitende Professionen anzubieten, da viele Klienten einen geschützten Rahmen brauchen.“

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