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Die kölnische Kirche von der Römerzeit bis ins Mittelalter

Die kölnische Kirche in Karolingischer Zeit

Das Frankenreich unter den ersten Herrschern aus dem Hause der Karolinger
Schon mit dem ersten Karolingerkönig Pippin I (751 - 768) vergrößerte sich das Frankenreich ständig durch siegreiche Feldzüge in Norditalien und Südwestfrankreich. Karl der Große besiegte durch einen langen, erfolgreichen Krieg sowohl die Sachsen, als auch die Langobarden hinter den Alpen. Als Schutzherr des Papstes und gekrönter Kaiser fühlte er sich u.a. auch als Erneuerer des römischen Imperiums. Seine historische Größe erlangte Karl auch durch den Ausbau der Verwaltung, der Entwicklung einer Gesellschaftsordnung und der sogenannten "karolingischen Renaissance". Durch gegensätzliche Vorstellungen der Machtverteilung der nachfolgenden Kaiser kam es zur Schwächung des Frankenreiches. Die Söhne Ludwigs des Frommen (um 833) führten Krieg gegen den Mitkaiser Lothar. Dieser unterlag und es kam 843 zur Teilung des Reiches.

Die Reichskirche unter den ersten Karolingerherrschern 

Am Hofe der Karolinger entwickelte sich die Hofkapelle mit ihren Kaplänen zum zentralen Organ der weltlichen, als auch der kirchlichen Ordnung. Sie Hatte Einfluss auf das politische, geistige und geistliche Leben. U.a. entstand hier die Grundlage für die gesamte Schriftentwicklung des Abendlandes. Durch die Ausdehnung des Reiches war die Errichtung neuer Bistümer und Erzbistümer notwendig. Die Bischöfe standen sowohl zum König bzw. Kaiser als auch zum Papst in enger Beziehung.

 

Die überragende Rolle des Kölner Bischofs und späteren Erzbischofs Hildebold 
Einer der ersten Bischöfe der Karolingerzeit war Hildebold, der später als Erzkaplan der Hofkapelle Karl des Großen vorstand. Er trug die Verantwortung für die Reliquien, für den Gottesdienst und das Tischgebet an Karls Tafel. Neben Hildebolds großem Einfluss auf die Reichskirche, hatte er auch mehrmals Kontakt zu Papst Leo III.

 

Nur durch die von Karl dem Großen erwirkte Lockerung der üblichen Bindung des Bischofs Hildebold an sein Bistum, konnte er seinen vielfältigen Funktionen nachkommen. Vielleicht erscheint er in den Quellen deshalb als Erzbischof, oder weil Köln wahrscheinlich zu seiner Zeit zum Erzbistum erhoben worden ist. Das bedeutete eine Ehrerweisung gegenüber Hildebold, da auch u.a. mehrere Bistümer zu Köln gehörten. Köln stieg zur Metropole eines großen Kirchensprengels auf und die Aufgaben Hildebolds konnten nur durch Unterstützung der Landbischöfe wahrgenommen werden.

 

Das Erzbistum Köln, die "eleganteste Braut Christi nach Rom" 
Köln wurde als "eleganteste Braut Christi nach Rom" wertgeschätzt wegen seiner vielen bedeutenden Kirchen, wie z.B. St. Gereon, wo Hildebold beigesetzt wurde. Ob Hildebold den Alten Dom errichtet hat ist fraglich. Dafür spricht, dass seine Nachfolger aus verschiedenen Gründen zu dieser großen Aufgabe nicht fähig waren. Sicher dagegen ist, dass die angesehene Dombibliothek Hildebold zu verdanken ist. Es gibt noch heute kostbare Handschriften aus dieser Zeit. Ein Katalog und ein Ausleiheverzeichnis lassen die Bedeutung der Domschule und der dort vermittelten Bildung erkennen. 

Die Lage der kölnischen Kirche im Ostfrankenreich
Durch die erste Reichsteilung, die quer durch Köln ging, ergab sich für die Kölner Erzbischöfe eine schwierige Lage. Hilduin hielt sich an Lothar. Die Mehrheit der Bischöfe gehörte zum Reich Ludwigs des Deutschen, der eine umfassende Herrschaft ausübte. Gunthar, als Nachfolger Hilduins, brachte das Erzbistum Köln in die Krise, indem er wegen nicht stichhaltiger Gründe die Ehe von Lothar mit Theutberga annullierte. Als Gunthar seine Erlaubnis zur Wiederheirat Lothars gab, erkannte der Papst diese nicht an, enthob Gunthar seines Amtes und exkommunizierte ihn. Durch eine von Gunthar vorgenommene Güterumschreibung kommt es erstmals zu erkennbar eigenständigen Kleriker- gemeinschaften neben dem Erzbischof. Die zugehörigen Kirchen und der Erzbischof besaßen jetzt eine Existenz- und materielle Grundlage.


Durch neue Grenzziehungen gehörten auch die westlichen Teile des Erzbistums Köln zum Reich Ludwig, was den Zusammenhalt der Erzdiözese stärkte und es dadurch zur Kirchenprovinz im Nordwesten wurde. Der Nachfolger Gunthars, Erzbischof Willibert (870-889) weihte als erste Amtshandlung den Dom zu Köln, dessen Errichtung zum größten Teil in die Zeit des wenig geschätzten Erzbischofs Gunthar fiel.

Die Normannen richteten bei ihren Plünderungszügen (ab863) große Schäden in allen wichtigen Orten des Erzbistums an, zwei von sechs Klöstern, Malmédy und das Kornelimünster wurden übel heimgesucht. Die Verheerungen waren ein furchtbarer Schlag für das Erzbistum, und der Neuaufbau ist dem als klug beschriebenen Willibert und seinen Bischöfen zu verdanken. Die wenig stabile politische Lage und die Normannengefahr war durch Karl den Dicken nur Landzuweisungen und Geldzahlungen zu bannen. Im Jahr 895 entstand ein Unterkönigtum für Zwentibold, dessen Erzkaplan Hermann I. wurde. Konrad I (911) war der erste nichtkarolingische König. Linksrheinische Teile erkannten ihn nicht und wandten sich Karl dem Einfältigen im Westen zu. Dadurch trennten sich auch wieder rechtsrheinische Teile im Erzbistum Köln.

 

Der innere Ausbau des Erzbistums Köln in der Karolingerzeit
Auch während der Karolingerzeit ging es um Missionierung in Grenzregionen und Organisation der Bistümer. Es wurden Gesetze u.a. über die Rechtsstellung der Pfarreien erlassen, was zu einer stärkeren Differenzierung innerhalb der Kirche führte. Die wenigen Klöster hatten kaum eine Bedeutung gegenüber Abteien in anderen Bistümern. Nur die Zahl der Stifte mit eher weltlichen Strukturen, ohne Gelübde, aber mit Privateigentum, spielten eine wichtigere Rolle.


Ab 800 sprach man erst von Pfarrkirchen und deren Sprengel, in dem die Gläubigen ihre Sakramente empfingen und sich beerdigen ließen. In diesen Pfarrbezirken (Eigenkirchen) war es üblich, nach dem Zehntgebot 2/3 des Zehntels an den Eigenkirchenherr zu entrichten und ein Drittel an die Priester. Für die Eigenkirchen errichtete ein Grundbesitzer auf seinem Boden eine Kirche und stellte einen Priester ein für den er sorgte. Dadurch brauchte der Bischof keine Baukosten aufwenden, hatte aber auch nicht den Zehnanteil. Die Alte Gliederung der Kölner Diözese war dadurch in Frage gestellt. Durch die Zerstörung von Quellen des erzbischöflichen Archivs beim Normannensturm 881 ist über die Ausgliederung von Pfarreien wenig bekannt.