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Die kölnische Kirche von der Stauferzeit bis ins Mittelalter

Zwischen Innerlichkeit und Schau: Glaube und Verehrung

Frömmigkeit, Buße und Wallfahrten
Das religiöse Gefühl des einfachen Volkes war weniger geprägt von den kirchlichen Strukturen, sondern von einschneidenden äußeren Schicksalsschlägen wie dem Einbruch der großen Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Wer sich vom Tod bedroht sah, suchte das Heil in der religiösen Lebens- und Glaubenspraxis. Vor allem die Vergewisserung eines ewigen Lebens durch Werke der Frömmigkeit, Buße und Barmherzigkeit traten in den Vordergrund: die Feier der Heiligen Messe, das Gebet und Stiftungen zu Fürsprechern im Jenseits sowie eine ausgeprägte eucharistische Frömmigkeit der Anschauung und Anbetung sind Merkmale des Volksglaubens in jener Zeit. Unter den Wallfahrten und Sakramentsprozessionen aus dieser Zeit ist die Mülheimer (Kölner) Gottestracht eine der bekanntesten.

 

In der Kunst findet dies seinen Niederschlag in zahlreichen Altarbilder, die Auftragswerke waren, in der Verbreitung der Pieta, der leidenden Maria, als typisches Votivbild, sowie die aufkommende Heiligen- und Reliquienverehrung: Märtyrer und Heilige wurden als Brücke zum Himmel gesucht, um mit ihrer Macht die zahlreichen Fürbitten zu Gott zu tragen. Materialisiert haben sich diese Sehnsüchte in kostbaren Schreinen und Reliquiengefäßen, in feingeschnitzten Heiligenfiguren, die geschmückt und kostbar bekleidet wurden. Das als Heiliges verehrte wurde zeitweise zum Mittel der Magie.

 

In der Gegenbewegung der "Devotio moderna" als einer geistlichen Haltung der Innerlichkeit und Kontemplation sind die Stundenbücher das sprechendste Zeugnis dafür, daß persönliche Gottesbeziehung und extrovertierter Glaubenskult vereinbar waren.