Start Kontakt Sitemap

Die kölnische Kirche von der Stauferzeit bis ins Mittelalter

Diözesanorganisation und Diözesanverwaltung um 1300

Archidiakone und Dechanten 
Um 1300 war die Erzdiözese in vier Archidiakonate eingeteilt. Rivalitäten zwischen Archidiakonen und Dechanten entstanden. Die vier Archidiakone nahmen die geistliche Jurisdiktion wahr, nur dass sie mehr und mehr nur noch den finanziellen Ertrag im Auge hatten. In der Erzdiözese hatten die "geborenen" Dechanten bestimmte Würden inne u.a. die Ausstattung des bischöflichen Sendrechts. Sie beauftragten Pfarrer aus ihrem Dekanat mit Aufgaben. Diese wurden von Mitbrüdern gewählt und rückten schließlich zu den eigentlichen (Land) Dechanten auf. Die Landdechanten und Pastöre hatten zu den weltlichen Landesherren oft ein engeres Verhältnis als zu ihrem Bischof. Dem Landesherren fühlten sie sich in verpflichtender Loyalität verbunden.

 

 

Pfarrorganisation, Stifte und Klöster
Für die Verdichtung des Pfarrnetzes ab dem 13. Jahrhundert war die spätmittelalterliche Frömmigkeit die Ursache. In den Städten und in den riesigen Pfarrsprengeln entstanden neue, selbständige Pfarrkirchen. Es bildete sich ein verwirrendes System von Gotteshäusern verschiedener Rechtsstellung heraus, die Geistlichen erhielten sehr unterschiedliche Einkünfte und waren teilweise nur am Bezug derselben interessiert.

 

Probleme warf die Konkurrenz zwischen der ordentlichen Pfarr- und der außerordentlichen Ordensseelsorge mit ihren Bettelmönchen auf. Die Minderbrüder und die Dominikaner breiteten sich von ihren städtischen Niederlassungen über das ganze Land aus. Es entstanden mehr oder weniger bedeutende Orden, wobei die weiblichen Ableger in der Kölner Diözese nur spärlich vertreten waren. Die zahlreichen Klöster erlebten einen Wechsel von wirtschaftlichem Niedergang, schrumpfenden Mitgliedern, bis zu Reformkräften, die dann zu neuem inneren und äußeren Glanz führten.


Die spätmittelalterliche Spiritualität zeichnete sich durch entstehende Kommunitäten aus, die freiwillig, ohne Gelübde ein gottgefälliges Leben führten: die Semireligiosen. Es waren vor allem Frauen z.B. die Beginen. Durch Druck der kirchlichen Obrigkeit wurden sie später in Konvente mit Drittordensregeln gedrängt.

Die Erzbischöfliche Kurie
Der Erzbischof brauchte die Unterstützung von Klerikern und Laien um weiterhin ordentliche Gerichts- und Verwaltungshoheit zu behalten. Der Anspruch letztgültiges Entscheidungsgremium im persönlichen, sozialen und politischen Leben zu sein, zog große Vertretungsmöglichkeiten und -pflichten nach sich. Selbst die geistlichen Obliegenheiten waren vom Erzbischof alleine nicht mehr zu bewältigen. Dazu kamen seine Stellung als Reichsfürst und Landesherr. Um seine bischöfliche Vollgewalt zu gewährleisten bot das kirchliche Amtsrecht eine Lösung zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben.

 

Aufbau der Diözesanverwaltung
Geistliche Beamten vertraten den Bischof, bekamen ein Gehalt und waren ihm Rechenschaft schuldig. Die Ämter wurden rangniedrigen Geistlichen gegeben, die sie nicht zum eigenen Machtaufbau nutzen konnten. Es mussten speziell ausgebildete, gelehrte Fachmänner sein, die in der Adelsschicht nicht häufig zu finden waren. Die übertragenen Pflichten konnten jederzeit vom Bischof wieder geändert oder selbst übernommen werden. Ein Offizial übernahm die richterliche Gewalt. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die volle Arbeitskraft eines Weihbischofs benötigt um die vielfältigen Weiheaufgaben im Pfarrnetz zu übernehmen. Viel später wurde ein Generalvikar mit den kirchlichen Verwaltungsaufgaben beauftragt.

 

Dieses Einzelbeamtentum entwickelte sich zu großen Behörden: dem Offizialat und dem Generalvikariat und bildeten die erzbischöfliche Kurie. Sie erledigte bischöfliche Aufgaben ohne der Stellung und Gewalt des Bischofs gefährlich zu werden. Dadurch war die Erledigung aller administrativen und jurisdiktionellen Aufgaben, unabhängig von den Qualitäten des jeweiligen Bischofs, gewährleistet.