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Die kölnische Kirche von der Stauferzeit bis ins Mittelalter

Zwischen Mitherrschaft und Mitverantwortung: das Domkapitel

Noch Mitte des 13. Jahrhunderts war unklar, welches geistliche Gremium - die Prioren oder das Domkapitel - den Erzbischof wählen durfte. Zu den Prioren gehörten die Pröpste und die Würdenträger des Domstifts. Das Domkapitel bestand aus 24 Kapitularen, teils zum Empfang der Priesterweihe verpflichtete Kanoniker, als auch Domgrafen mit abgeschlossenem Universitätsstudium (seit dem 15. Jahrhundert).
Das Domkapitel war vor allem bestrebt, das ausschließliche Bischofswahlrecht zu bekommen. Außerdem versuchte es, das Priorenkolleg aus der Diözesanregierung zu verdrängen, dadurch, dass Kapitular die Stellen mit Priorenrang bekamen. Das Kapitel wollte die Propsteien der 12 alten Kollegialkirchen des Bistums nur mit Domkapitularen besetzen. Sie bemühten sich um mehr Eigenständigkeit und mehr Rechtspositionen. 

Einfluss des Domkapitels 
Das Kapitel wehrte sich gegen Eingriffe der bischöflichen Beamten, andrerseits wollten sie Einfluss bei deren Ernennung nehmen. Am Ende des Mittelalters beherrschte das Kapitel sowohl die traditionellen als auch die modernen Verwaltungsstrukturen. Das zog ständige Streitereien zwischen Erzbischof und Kapitel nach sich, wobei das Domkapitel sogar in den weltlichen Herrschaftsbereich eingriff. Das Domkapitel hatte großes Interesse an der Territorialpolitik der Erzbischöfe und machte landesherrliche Haupt- und Staatsaktionen von seiner Zustimmung abhängig. Es stand somit der aufkommenden landständischen  Bewegung nahe und wechselte im 15. Jahrhundert von der herrschaftlichen auf die ständische Seite.

 

Wahlkapitulationen
Seit 1414 wurde das Verhältnis von Bischof und Domkapitel durch Wahlkapitulationen geregelt, wobei die geistlichen Angelegenheiten vorrangig waren. Bei den Wahlkapitulationen ging es vor allem auch um die eigene privilegierte Stellung und um die erzstiftischen Finanzen. Außerdem wurden die Handlungsmöglichkeiten des Bischofs in Verwaltung und Gerichtsbarkeit festgelegt und willkürliche Vereinbarungen dadurch verhindert. In Kurköln gab es immer wieder Erzbischof-Kurfürsten, die erfolglos dem Domkapitel Positionen streitig zu machen versuchte. Deren starke Stellung erwies sich aber auch positiv u.a. als es im 16. Jahrhundert zweimal eine Protestantisierung des Erzstiftes verhinderte.