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Im späten Mittelalter

Religiöses Leben und Glauben in den Pfarreien

Pfarrgemeinde und Gotteshaus
Der Stolz und das religiöse Zentrum einer Pfarrgemeinde war die Pfarrkirche. Ende des 18. Jahrhunderts gab es in der Erzdiözese Köln ca. 1000, wovon die meisten schon vor 1688 entstanden. Neue Kirchen wurden in der Neuzeit wegen fürstlicher Repräsentation errichtet, z.B. die Kirche auf dem Bonner Kreuzberg, die Michaelskapelle und die Poppelsdorfer Schlosskapelle, oder damit die Orden neben dem Kloster auch ein Gotteshaus hatten. Der Einfluss des Barock war groß bei der Gestaltung des Kircheninneren. Vom monumentalen dreistöckigen Altar ging die Entwicklung über den Bildrahmenaltar, den Skulpturaltar zum pompösen, frei im Raum stehenden Tabernakelaltar. Die barocke Ausstattung bestimmte auch die romanischen und gotischen Kirchen.

 

Gottesdienst und Altarssakrament
Durch das Sakrament der Priesterweihe wurde die Stellung des Geistlichen hervorgehoben, was vor allem Ausdruck während des Gottesdienstes fand. Der Pfarrer las die Messe in unverständlichen lateinischen Worte, er vollzog ein unverständliches Ritual der Wandlung und kommunizierte alleine. Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Predigt üblich, die von der Messe getrennt war, dann aber in deutscher Sprache gehalten wurde. Auch die Eucharistie wurde aus dem Meßgeschehen ausgelagert und erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehrmals im Jahr begangen und seit dem gab es auch das gemeinsame Fest der Erstkommunion.

Gläubige und Sakramente
Das Sakrament der Taufe setzte sich auch bei den Protestanten unumstritten durch. Die Firmung der Kinder ab dem 7. Lebensjahr durfte nur der Bischof spenden. Das Bußsakrament empfingen die Gläubigen in der Regel vor der Osterkommunion. Die Darreichung des Altarssakramentes an Kranke und Sterbende war üblich. Schwierig war die Einbindung der Ehe als Sakrament, sie war traditionell der Kontrakt zwischen zwei Familien und sollte auf einmal der Binde- und Lösegewalt der Kirche unterstellt werden. Es mussten zwei Zeugen anwesend sein und ohne elterliche Zustimmung und öffentliche Bekanntmachung konnte keine Ehe geschlossen werden. Für die Pfarrer war es schwer die neuen Normen gegen alte Gewohnheitsrechte durchzusetzen. Erst Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich der Gebrauch von Kirchenbüchern durch.

 

Religiöse Unterweisung
Zur Amtsführung der Pfarrer gehörte vor allem auch die Predigt. Außerdem gab es den Katechismus in dem die wichtigsten Glaubensfragen beantwortet wurden und der mangels Schulpflicht vorgelesen und auswendig gelernt wurde. Um Kindern und jungen Erwachsenen die Katechismuslehren zu vermitteln, bürgerte sich im 17. Jahrhundert der "Katechismus (Christenlehre)" ein, ein an bestimmten Tagen abgehaltener Religionsunterricht, der sich aber nur schwer durchsetzen ließ. 

Feiertag und Feiertagsgestaltung 
Durch eine Vielzahl katholischer Feiertage hatten die protestantischen Gebiete erhebliche Wettbewerbsvorteile. Der pflichtgemäße Besuch der Messe an Sonn- und Feiertagen wurde zwar eingehalten, aber die Arbeit, das Vergnügen und andere Ausschweifungen ruhten nicht, woran die Obrigkeit Anstoß nahm. Erst 1770 wurden die Feiertage auf 19 reduziert, wurden aber zum Leidwesen der geistlichen Herren trotzdem nicht würdiger begangen, bzw. die Sonntagsruhe nicht eingehalten.

 

Fastenpraxis
182 Abstinenz- bzw. 74 Fastentage bestimmten das Leben der katholischen Gläubigen. An Abstinenztagen war der Genuss verschiedener Speisen und Getränke untersagt, an Fastentage durfte zusätzlich nur eine Mahlzeit eingenommen werden. Die Einhaltung der Fastenvorschriften wurde unterschiedlich gehandhabt, die Aufklärer lehnten sie ab.

 

Volksfrömmigkeit und Heiligenverehrung
Im Volk entstand durch die Identität von Meßopfer und Kreuzopfer eine neue Christusfrömmigkeit, der leidende Heiland wurde verehrt. Es entwickelten sich besondere Gebetsformen, im 18. Jahrhundert der Kreuzweg, beliebt war das gemeinsame Beten des Rosenkranzes. Das Konzil bestätigte die Verehrung und Anrufung der Heiligen um Fürbitte und regte dadurch eine verstärkte Heiligen- und insbesondere Marienverehrung an. Im Rheinland erfuhren die älteren Heiligenkulte eine neue Blüte. Besonders vier Heilige, deren Patronate sich überschnitten, wurden in den verschiedensten Situationen angerufen, es gab aber auch eine Unzahl von Lokalheiligen.

 

Wallfahrt und Prozession
Die im Unterschied zur Prozession nicht in das Kirchenjahr liturgisch eingebundene Wallfahrt stellte eine auf Laien zugeschnittene Form des Bittganges dar sowohl für einzelne als auch für Gruppen. Von der Fernwallfahrt nach Rom vollzog sich ein Wandel zu nahe gelegenen Gnadenstätten, der häufige Wallfahrten ermöglichte. In der Barockzeit trat neben die Reliquie auch das Andachtsbild oder die Statue als wallfahrtsbegründendes Motiv, besonders wenn dort Wunder geschahen. Den größten Aufschwung nahmen die Marienwallfahrten, neben dem mittelrheinischen Bornhofen wurde Kevelaer der bedeutendste rheinische Wallfahrtsort.

 

Der älteste Marienwallfahrtsort war Bödingen an der Sieg. Das Rheinland war bis 1930 typisch für seine ausgeprägte Wallfahrtslandschaft. Die Zeit der Aufklärung meinte Aberglauben in den Wallfahrten zu entdecken, doch die privaten Pilgergänge von Gläubigen konnten nicht untersagt werden. Die Prozessionen waren in die Liturgie des Kirchenjahres eingebunden. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in Köln-Mülheim die Fronleichnamsprozession als Schifffahrtsprozession, die bis heute besteht.

 

Bruderschaftswesen
Im Mittelalter entstanden auf der Basis der Zünfte oder der Schützen Bruderschaften. Sie pflegten u.a. auch die Geselligkeit und waren keine religiösen Vereinigungen mit ausschließlich kirchlicher Zielsetzung. Im 17. Jahrhundert änderte sich die Zielsetzung u.a. durch die aktive Unterstützung der Orden. Ende des 18. Jahrhunderts existierte in jeder Gemeinde zumindest eine Bruderschaft.

 

Kirche und Schule
Bis auf die größeren Städte war das Schulwesen überall in einem miserablen Zustand. Die Pfarrer sollten Schulen errichten, hatten die Aufsicht darüber, die Lehrer besaßen aber keinerlei pädagogische Ausbildung und bekamen ihre Arbeit schlecht bezahlt. In den Städten gab es Schulen der verschiedenen Trägerschaften, es musste Schulgeld gezahlt werden. Hauptträger des höheren Schulwesens waren vor allem die Jesuiten. Ziel des Gymnasien war die Vorbereitung auf den Universitätsbesuch. Erst durch die Aufklärung änderte sich das Schulwesen. Der Staat initiierte die Anhebung der Lehrerausbildung, die Kirche blieb aber als wichtige Trägerschaft bestehen. Selbst im 18. Jahrhundert kannte man nicht die gymnasiale Erziehung der Mädchen. In Köln und Bonn wirkten die Ursulinen und Welschnonnen im weiblichen Bildungsbereich.