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Im späten Mittelalter

Klerus und geistliche Bewegungen im Mittelalter

Herkunft und Ausbildung der Pfarrer


Persönlichkeit und Einfluss des Pfarrers eine entscheidende Bedeutung. Laut Weiheprotokollen stammten 52 % der Geweihten aus Städten, mehr als 13 % aus Köln und insgesamt kamen sie aus den besitzenden Schichten. Landpfarreien waren nicht das Ziel der Priester, aber selbst die Landpriester kamen aus höheren Schichten. D.h. die Kluft zwischen den Pfarrern aus städtischem bzw. großbäuerlichem Milieu zu den kleinbäuerlichen Gemeinden wuchs.Die Ausbildung der Priester reichte oft nur zum Lesen der lateinischen Messe, selbst im 17. Jahrhundert hatten die meisten keine theologische Ausbildung. Die Errichtung von Priesterseminaren scheiterte am Geld, erst 1749 wurde ein einjähriger Besuch des 1736 eröffneten Priesterseminars Pflicht. Vor der Approbation musste ein Seelsorgeexamen abgelegt werden.

 

Häufig klaffte eine große Kluft zwischen kirchlichem Anspruch und klerikaler Wirklichkeit im priesterlichen Lebenswandel. Das Konkubinat war ein prinzipielles Problem. Erst durch die Kirchenspaltung bekam die zölibatäre Lebensweise einen höheren Stellenwert. Auf dem Land war der Pfarrer zur Bewirtschaftung seines kleinen landwirtschaftlichen Betriebes auf die Unterstützung einer Magd angewiesen, die oft seine Konkubine wurde und geduldet war, so lange sie keine repräsentativen Platz einnahm. In gut dotierten Stiften oder städtischen Pfarreien gab es diese wirtschaftliche Zwangslage nicht und dort griffen die kirchlichen Amtsträger härter durch. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts kamen die von Jesuiten und Kapuziner geprägten Priester zu einer positiveren Beurteilung des Zölibats, ab dem 18. Jahrhundert galt das Konkubinat in der Priesterschaft als Sünde. Die Priesterweihe war als Sakrament anerkannt, das Ausbildungsniveau war gestiegen.

Ordensleben der frühen Neuzeit
Das Ordensleben war meist intakt, auch wenn nach und nach der Idealismus erlosch. Orden boten Existenzsicherung, wenn auch oft zu Lasten der religiös-geistlichen Motivation. Die enormenen Leistungen der Orden in der Seelsorge sowie Erziehungs- und Unterrichtswesen gehörten zu den positiven Seiten der neuzeitlichen Kirchengeschichte. Die Ordensgeistlichkeit war autonom, betrieb Seelsorge, war karitativ tätig und leistete schulische Erziehungsarbeit.

 

Traditionelle alte Orden
Die Seelsorgetätigkeit der Klöster war umstritten und wurde u.a. als Bedrohung des gemeinsamen Zusammenlebens und als Gefährdung des Armutsgelübdes empfunden. Es entstanden Spannungen, da die an den Pfarrkirchen eingesetzten Pfarrer der Orden nicht über die vorgeschriebene Ausbildung verfügten. Auch die Klöster waren mit denselben politischen Problemen belastet wie die fürstlichen Erzbischöfe. In den Benediktinerklöstern wurde die Lockerung der Klosterdisziplin beklagt. In den diversen Klöstern gab es unterschiedliche Disziplinvorstellungen und damit andere Bedeutungsgrade für die Erzdiözese. Die mittelalterlichen Ritterorden verloren in der frühen Neuzeit oft ihren klösterlichen Charakter.

Die Bettelorden
Die Bettelorden, mit dem Schwerpunkt der außerpfarrlichen und außerordentlichen Seelsorge, lehnten die Übernahme von Pfarrstellen ab und verzichteten auf Einkünfte und Besitz. Wegen des Armutsprinzips kam es zu Neugründungen und Spaltungen mit drei großen Richtungen: Die Minoriten, die Observanten und die Kapuziner. Die Observanten erzielten durch kleine Missionsstationen in überwiegend evangelischen Gebieten eine große Wirkungen und waren durch ihre einfache Lebensweise beim Volk sehr beliebt. Die Minoriten widmeten sich mehr der Jugendbildung, waren offen der Aufklärung gegenüber und besetzten sogar Professuren der Bonner Universität. Der Kapuzinerorden versuchte durch Predigten, durch religiös-erzieherische Übungen und häufigen Sakramentenempfang den Glauben der Gemeinden zu stärken.

Die Jesuiten
Der erst 1540 vom Papst anerkannte Jesuitenorden stellte alle anderen Orden in den Schatten. Sie legten ihren Schwerpunkt auf die Jugenderziehung sowie auf die Ausbildung einer geistigen Elite und führten das Abhalten von Exerzitien ein. Sie bauten Gymnasien, wirkten durch Predigten und die Exerzitien wurden ein weit verbreitetes Instrument der Seelsorge. Die Patres versuchten durch regelmäßige Volksmissionen das religiöse Leben der Gläubigen zu erneuern. Ihre Rolle als Beichtväter der Fürstbischöfe und damit einflussreiche Berater war umstritten. Auf Druck des französischen und spanischen Königshofes hob der Papst 1773 den Jesuitenorden auf. Die katholische Kulturpolitik versuchte das Erbe der Jesuiten weiterzuführen.

 

Weibliche Ordensgemeinschaften
Während des 18. Jahrhunderts gab es 23 sowohl kontemplative als auch karitative Orden, die durch die fehlende aktive Seelsorge keine Verbindung zu Pfarrgemeinden hatten. Die ohne Klosterregeln zusammenlebenden unverheirateten Beginen hatten eine Sonderstellung. Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelten die Orden z.B. die Ursulinen, deren Hauptziel die Bildung der Mädchen war.