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Im späten Mittelalter

Der Kölner Klerus im Spätmittelalter

Das Domkapitel
Da die Erzbischöfe ihren Schwerpunkt auf die weltlichen Bereiche legten, übernahmen Stellvertreter, Mitarbeiter und vor allem das Domkapitel die geistliche Betreuung der Bistümer. Es hatte das kirchliche Recht der Bischofswahl und die bischöfliche Gerichtsgewalt bei Verhinderung des Bischofs. 16 der 24 Mitglieder waren die aus dem Hochadel stammenden Domgrafen, geweiht zum Subdiakon. 8 Plätze standen nichtadligen geweihten Priestern (Priesterherren) offen, die meist aus dem Kölner Raum kamen. Aus ihnen rekrutierte sich die Verwaltungsspitze des Erzbistums.

Leitung und Leiter des Erzbistums
Das periodisch besetzte Amt des Koadjutors war ein politisches Instrument geworden um die Bischofswahl vorwegzunehmen oder politische Konstellationen zu stärken. 1583 bis 1801 hatte einer von sieben Erzbischöfen keinen Koadjutor und nur der Koadjutor Wilhelm von Fürstenberg wurde nicht zum Erzbischof ernannt. Das Amt des Koadministrators wurde vom Papst verlangt, wenn ein zu junger Kandidat die Bischofsweihe noch nicht empfangen konnte. Alle anderen wichtigen Stellen waren dauerhaft: der Weihbischof, der Generalvikar und der Offizial, wobei es dort zu Kompetenzgerangel kam. 

Der wichtigste Stellvertreter war der Weihbischof u.a. mit den Aufgaben der Firmung, der Priesteramtsweihen und ggf. auch bischöflichen Weihehandlungen. Der zweitwichtigste war der Generalvikar als Leiter der geistliche Verwaltung mit acht Mitarbeitern mit theologischem Grad. Der Offizial war für geistliche aber auch weltliche Streitsachen zuständig und verfügte über einen größeren Mitarbeiterstab, der von den Gerichtseinkünften lebte und dadurch abhängig von den einzelnen Instanzen war. Erst Ende der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts kam es zu Reformen des geistlichen Gerichtswesens.

 

Die meisten der erzbischöflichen Mitarbeiter kamen aus dem Stand der Priesterherren mit einer hervorragenden Ausbildung. Einige hatten in Rom studiert, andere waren Professoren der Uni. Sie trugen oft jahrelang die Hauptlast der kirchlichen Verwaltung und prägten das Schicksal der Erzdiözese oft nachhaltiger als die Fürstbischöfe.

 

Benefizwesen und Stellenbesetzung
Die frühneuzeitliche Seelsorge, das Benefizwesen, war verbunden mit einer Vermögensmasse, die von einem Kandidaten genutzt wurde mit der Verpflichtung, Seelsorge oder Gottesdienst zu übernehmen. Der Patronatsherr benannte eine Person für eine Pfarrstelle und der Bischof wies ihn ein. Bei der Inkorporation verlor eine Pfarrkirche ihr Selbständigkeit an ein Kloster oder Stift, das dann einen Priester zur Seelsorge bereitstellte. Durch diese beiden Rechtsformen hatte die bischöfliche Verwaltung keinen Einfluss auf die Auswahl der Pfarrer.

 

Der höhergestellte Klerus (Primarklerus)
Wegen anspruchsvoller Voraussetzungen der reich dotierten Stellen an den Kanonikerstiften (Primarklerus) wurde eine bildungsbedingte und soziale Trennung im Klerus aufrecht erhalten. Die Seelsorge wurde dem kaum ausgebildeten Sekundarklerus überlassen. Die religiösen Aufgaben des Stiftsklerus waren die täglich Feier des Hochamtes und die Verwaltung des landwirtschaftlichen Besitzes. Von den 21 Männer- und 20 Frauenstiften lagen 11 in der Stadt Köln. Die weiblichen Stifte waren Versorgungsinstitute des Adels, die Männerstifte hatten mannigfaltige Aufgaben in der Kirche. Beide Stifte waren weniger eine Seelsorgeeinrichtung.

 

Der einfache Klerus (Sekundarklerus)
Der Sekundarklerus konnte sich wegen wirtschaftlicher Nöte oft nicht der Seelsorge widmen. Seit 1651 musste, wer zum Subdiakon geweiht wurde, einen gewissen Unterhalt nachweisen, d.h. er musste für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen. Andere Geistliche waren auf Nebeneinkünfte angewiesen: der Begriff Klerikerproletariat entstand.