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Aufbruch in die Neuzeit

Clemens August Freiherr Droste zu Vischering und die "Kölner Wirren"

Der fromme, kontaktarme und undiplomatische Nachfolger Spiegels (1836 - 1845) brachte für die sich anbahnenden Konflikte ungünstige Voraussetzungen mit, und die misstrauischen Staatsbehörden vermehrten das Konfliktpotential. Droste wurde in Münster geistig und religiös geprägt, Ein Kreis aus philosophisch, pädagogisch und religiös geprägten Persönlichkeiten suchte einen Weg aus der Aufklärung in die neue kirchliche Zukunft. Mit 18 war Droste Domherr, mit 25 Priester, mit 34 Jahren Kapitularvikar und leitete als solcher unter den mehrfach wechselnden politischen Obrigkeiten bis 1820 das Bistum Münster.

 

Er distanzierte sich von der Aufklärung und hielt den Dogmatiker Hermes für unkirchlich. Sein Eingreifen in die Universität belastete seine Beziehungen zu den preußischen Staatsbehörden und Droste entwickelte Vorstellungen von der Zweckmäßigkeit einer Trennung von Kirche und Staat. Nur durch Unterstützung des Kronprinzen, der sein soziales Engagement schätzte, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. wurde Droste als Kandidat zum Erzbischof vorgeschlagen. Vorher ließ man ihn geheim nach seiner Einstellung zur Mischehe befragen, wobei es unwahrscheinlich ist, dass den Text der Konvention überhaupt kannte. Droste konnte keine Vertrauensverhältnis zu Generalvikar, Domkapitel und Seminarvorstand aufbauen und sein Vorgehen gegen den Hermesianismus führte zu Störungen des Lehrbetriebes und der inneren Disziplin.

 

Die Kölner Wirren
1837 wurde Droste durch die preußische Regierung verhaftet, da er nicht bereit war, in strittigen Fragen nach zu geben oder zurück zu treten. Auf Grund dieser Gefangennahme solidarisierten sich die rheinischen und deutschen Katholiken mit ihm. Das Domkapitel übernahm durch Beeinflussung des Staates kurz die Diözesanverwaltung, musste aber nach einer Rüge von Papst Gregor XVI. dies wieder dem Generalvikar Drostes überlassen. Der Publizist Joseph Görres hielt durch eine Kampfschrift dem Staat die Mängel und die unrechtmäßigen Eingriffe in die Kirchenpolitik vor. Diese Wirren weckten das Selbstbewusstsein der Katholiken, die das Staatsgebahren vor der Weltöffentlichkeit lächerlich machten.

 

Um diese Situation zu beenden, gaben die Preußen in allen wichtigen Punkten nach: die Korrespondenz zwischen Papst und Bischöfen ging nicht mehr über die Regierung, sie mischte sich nicht mehr in die Mischehenfrage ein, verringerte ihren Einfluss bei der Bischofswahl und verzichtete auf die Genehmigung kirchlicher Erlasse. Trotzdem durfte Droste nicht mehr nach Köln zurück kehren. 1841 wurde der Bischof von Speyer, Johannes von Geissel zum Koadjutor und Nachfolger Drostes bestellt. Dieser erreichte, dass die Bonner Theologieprofessoren ihre Lehrtätigkeit nur mit Genehmigung des Erzbischofs von Köln antreten durften und ggf. wieder beenden mussten.

 

Droste widersetzte sich erfolglos gegen den Verzicht auf jede Amtstätigkeit in Köln, starb zurückgezogen 1845 in Münster und wurde im dortigen Dom beigesetzt. Durch sein Wirken besaß die katholische Kirche die größte Freiheit im Gegensatz zu allen anderen deutschen Staaten, 1848 kam es zu einer Verfassung, die die Kirchenfreiheit garantierte.