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Aufbruch in die Neuzeit

Die Kölner Kirche vor den Herausforderungen des 19. Jahrhunderts

Ferdinand August Graf Spiegel (1825 - 1835) und die Neueinrichtung des Erzbistums Köln
Durch zähe Kleinarbeit und energisches Auftreten bei den Staatsbehörden gelang es Erzbischof Spiegel, die Erzdiözese vorzüglich zu ordnen und zu verwalten, die notwendigen Strukturen und Institute zu schaffen und den Klerus zu gewinnen und zu formen. Spiegel war durch die Aufklärung geprägt, er hat trotz der unterschiedlichen Herrschaftsstrukturen durchgängig achtenswerte kirchliche Stellungen und erwies sich als nützlicher kirchlicher Verhandlungspartner.

 

Schon vor seiner Ernennung und Einführung ( 1824 bzw. 1825) handelte er mit Berlin tragfähige Lebensbedingungen für das Erzbistum Köln aus. Es ging um die Einrichtung des Domkapitels, des Generalvikariat, den Einfluss auf die katholisch-theologische Fakultät in Bonn und um die ersten Stellenbesetzungen. Die von ihm aufgebauten Verwaltungsstrukturen (z.B. die Dekanatseinteilung) prägen das Erzbistum bis heute.

 

Ungelöste Schwierigkeiten ergaben sich dadurch, dass die Lehren und Schriften des Dogmatikers Georg Hermes (1775 - 1831), der von Erzbischof Spiegel in das Kölner Domkapitel befördert wurde, vom Papst verurteilt wurden. Hermes war bei Kollegen, Schülern und Priestern der angesehenste und einflussreichste Lehrer und die Bekämpfung seiner Schriften führte zu öffentlicher Unruhe und einem Konflikt zwischen Spiegels Nachfolger und dem preußischen Staat.

 

Ein weiterer Konflikt war die Mischehenfrage. In Preußen wurden Kinder grundsätzlich in der Konfession des Vaters erzogen. Papst Pius VIII. befreite von der "Formpflicht", d.h. auch evangelisch geschlossene Ehen ohne große liturgische Feierlichkeiten, waren gültig und es gab keine Verpflichtung zur katholischen Kindererziehung. Das entsprach nicht den preußischen Vorstellungen. Spiegel gab kurz vor seinem Tod dem staatlichen Druck nach in Form einer Geheimkonvention nach, wurde dabei aber auch mit falschen Angaben über die Absicht des Papstes hinters Licht geführt. Es war abzusehen, dass die Mischehenpraxis zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat führte.