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Aufbruch in die Neuzeit

Johannes von Geissel, der erste Kölner Kardinal

Johannes von Geissel (1842/45 - 1864) wurde im Mainzer Priesterseminar, das für den Anschluss an die scholastische Tradition der Vergangenheit bei enger Anlehnung an das Papsttum und straffer Kirchendisziplin eintrat, ausgebildet und geprägt. Die Mainzer Schule hatte erheblichen Einfluss auf die deutschen Kirchenverhältnisse und ebnete den Weg Roms für das I. Vatikanische Konzil.

 

Geissel machte u.a. als junger Domkapitular und Schulreferent Karriere, der König nominierte ihn zum Bischof von Speyer und verlieh im 1839 das Adelsprädikat. Geissel trat schon früh für die Kirchenfreiheit, die strenge Disziplin im Klerus und für die bischöfliche Autorität ein. Mit wenigen Beratern prägte er so die Kölner Erzdiözese im römischen Sinne.

 

Der aufgenommene und fast vollendete Bau des Kölner Doms war ebenso Ausdruck des äußeren Einvernehmens zwischen Staat und Kirche, wie auch der Stärke des Selbst- und Freiheitsbewusstseins der rheinischen und deutschen Katholiken. Geissel förderte die Erneuerung des kirchlichen Lebens und durch die Berufung des Dogmatikers Dieringer eine Wende des Hermesianismus an der theologischen Fakultät in Bonn. Er setzte sich auch für das von Laien getragene Vereinswesen ein, wie Ordensgründungen und die Anfänge ersten Gesellenvereine Adolph Kolpings. 

Auf Geissels Initiative hin trat 1848 die erste deutsche Bischofskonferenz unter seinem Vorsitz zusammen mit dem Ziel, die Freiheiten der Kirche voll aus zu schöpfen. Eine Denkschrift mit den kirchenpolitischen Ansprüchen wurde allen deutschen Regierungen zugeleitet. Die Freiheitsbewegung erhielt dadurch die notwendige Geschlossenheit und Autorität. Die römische Kurie befürchtete während dessen sich von Rom entfernende Tendenzen. Trotz dieser freiheitlichen Bestrebungen war Geissel ihr schärfster Gegner und Unterdrücker, was die "hermesianischen Pfarrer" und die innerkirchliche Freiheiten fordernden Priester unerbittlich zu spüren bekamen.

 

Geissel wollte durch Exerzitien und römische Frömmigkeitsformen das religiöse Leben der Gläubigen erneuern. Nach dem Vorbild des Collegium Germanicum der Jesuiten in Rom besetzte er offene Stellen im Kölner Priesterseminar. Der Papst erhob 1850 Geissel zum Kardinal und Friedrich Wilhelm IV. verlieh ihm 1855 den preußischen Adelstitel. Das Kölner Provinzialkonzil, mit den sich versammelnden Bischöfen aus dem nordwestlichen Deutschland, machte seine römischen Vorstellungen deutlich und leistete durch eine dogmatische Konstitution die Vorarbeit zum Ersten Vatikanischen Konzil.

 

Trotz seiner herausragenden Gestalt fehlte es Geissel an der Fähigkeit, Menschen zutreffend ein zu schätzen und ihnen persönlich zu begegnen. Bei seinem Tod 1864 waren Klerus und Domkapitel in Gefolgsleute und Gegner gespalten, was zu einem zerstörerischen Kampf um seine Nachfolge führte.