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Aufbruch in die Neuzeit

Paulus Melchers, das I. Vatikanische Konzil und der Kulturkampf

Paulus Melchers (1866 - 1885) wandte sich in seiner Ausbildung erst der Jurisprudenz zu, erwog aber schon als Gymnasiast den Gedanken ein den geistlichen Stand. Ab 1839 studierte er in München Theologie, suchte den Kontakt zu Kanonisten und erwarb eine aszetisch-strenge Lebensführung. Melchers stieg rasch im Bistum Münster auf, wurde u.a. Regens des Priesterseminars, Generalvikar und später Domkapitular. Er erwarb sich den Respekt der preußischen Staatsbehörden und wurde 1857 Bischof vom wieder errichteten Bistum Osnabrück. Schon früh hatte er Interesse an Mystik, als Bischof verstand er sich eher als Seelsorger und legte Wert auf Volksmissionen und traditionelle Frömmigkeitsformen. Seine Ernennung zum Erzbischof von Köln durch den Papst 1866 war ein Kompromiss im Streit der Kapitelsfraktionen.

 

Melchers übernahm den Generalvikar und den Mitarbeiterstab seines Vorgängers, blieb aber seiner pastoralen Linie treu. Während seiner 10-jährigen Amtszeit besuchte er fast alle 800 Pfarreien des Erzbistums. Für weitere pastorale Initiativen hatte er durch die Folgen des Ersten Vatikanischen Konzils 1869/70 und dem anschließenden Kulturkampf des preußischen Staates gegen die katholische Kirche keine Zeit. Durch die Führungsrolle im deutschen Episkopat und als langjähriger Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz bedeutete Melchers in diesem kritischen Jahrzehnt Kontinuität. Für seine Überzeugungstreue wie für seine kirchliche Loyalität spricht, dass er als einer der ersten deutschen Bischöfe die Konzilsentscheidungen seiner Diözese verkündete und die Verfassung eines Hirtenbriefes veranlasste, der die Unruhe unter den Gläubigen zum Abklingen bringen sollte.


Melchers musste erleben, dass die sich wegen der vatikanischen Beschlüsse von der katholischen Kirche lösenden "Altkatholiken" im Erzbistum Köln ihre führenden Köpfe fanden. Ein Kölner Priester wurde Bischof der sich in Bonn formierenden altkatholischen Kirche. Es ist zweifelhaft, ob Melchers durch weniger energisches Vorgehen andere Bonner Professoren von der Entfernung von der Kirche hätte abhalten können.

Der Kulturkampf
Auf politischer Ebene kam es zum "Kulturkampf", durch ein System von Gesetzen beschnitt der Staat die Freiheiten und Rechte der Kirche. Bischöfe des Kölner Erzbistums, die Widerstand leisteten wurden mit Geld- und Gefängnisstrafen belegt. Melchers war als Erzbischof in diesen bischöflichen Abwehrkampf involviert. Er selbst bekam hohe Geldstrafen, sein Vermögen wurde gepfändet. Seine Gefangennahme für 6 Monate und Abführung in die königliche Strafanstalt war ein Fanal für die rheinischen Katholiken.

 

Als Melchers die staatliche Inspektion des Kölner Priesterseminars verweigert, wurde dieses geschlossen, er zur Amtsniederlegung aufgefordert. Er entzog sich dann durch Emigration in die Niederlande dem staatlichen Zugriff. Es kam zu einem staatlichen Absetzungsverfahren, was innerkirchlich nicht rechtsgültig anerkannt wurde. In seinem Exil suchte Melchers sein Seelsorgeramt weiter wahr zunehmen. Unter Pseudonym verfasste er Schriften zu kirchenpolitischen und geistlichen Fragen und nahm inkognito seine Funktion als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz wahr. Durch den Widerstand der deutschen Katholiken im Kulturkampf und der dadurch belastenden Situation für den Staat, bot Bismarck als Kompromiss eine mildere Anwendung der Gesetze an, womit Melchers keinesfalls einverstanden war.

 

Er war dadurch als Erzbischof von Köln für den Staat nicht mehr annehmbar und wurde vom Papst zum Kurienkardinal ernannt. Der preußische Staat zahlt ihm bis zu seinem Tod 1895 eine Apanage.Wegen seiner Kränklichkeit konnte er in Rom keine nennenswerte Tätigkeit mehr ausüben und trat in den Franziskanerorden ein. Mit staatlicher Genehmigung wurde sein Leichnam im Kölner Dom beigesetzt, was ein Symbol für den Weg zum Frieden und den Friedensgesetzen 1886/1887 der Staat-Kirche-Beziehungen war.