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Die Kölner Kirche im 20. Jahrhundert

Die Kölner Erzbischöfe des 20. Jahrhunderts

Hubertus Theophil Simar (1900 - 1902)
Simar war acht Jahre Bischof von Paderborn und wurde wegen sein moderaten und trotzdem verbindlichen Stils vom preußischen Staat als Erzbischof gewünscht und 1899 durch das Kapitel gewählt. Es erfolgte die päpstliche Ernennung, nicht aber die Erhebung ins Kardinalskollegium. Simar setzte sich besonders für die notwendige Reform der Priesterausbildung ein, erwirkte das Promotionsrecht, starb dann aber 66-jährig. 

Antonius Fischer (1903 - 1912)
Nachdem der Kölner Weihbischof Fischer dem Staat gegenüber zusagte, die Reformen Simars zu respektieren, wurde er zum Erzbischof gewählt, 1903 vom Papst bestätigt und kurz danach zum Kardinal ernannt. Fischers vielseitiges Wirken fiel in eine schwierige innerkirchliche Umbruchphase. Durch seine Religionslehrertätigkeit kannte er den Hintergrund der neu entstehenden sozialen Fragen und verstand größtenteils die Situation und Anliegen der Industriearbeiterschaft und ihrer Gewerkschaftsbewegungen. Trotz Widerstände aus Rom und dem Kreis der deutschen Bischöfe stärkte er die überkonfessionellen christlichen Gewerkschaften. Fischer sah zwar auch die Gefahr der weltlich-säkularen Einflüsse, wurde aber zum Rückhalt der Fortentwicklung des katholischen Verband- und Vereinswesens. In der Theologenausbildung kehrte zu einer strengen Linie zurück. In der Seelsorge förderte er die Marienverehrung und die eucharistische Frömmigkeit. Der Diabetiker Fischer starb 1912 überraschend.

 

Felix von Hartmann (1913 - 1919)
In der Hoffnung auf eine Kehrtwende in der Gewerkschaftsfrage wurde von Hartmann auf Betreiben der römischen Kurie 1912 zum Kölner Erzbischof gewählt. Er überraschte dann durch die Erklärung, dass es Pflicht der Kirche sei, die interkonfessionellen Christlichen Gewerkschaften zu fördern und trug damit der sozialpolitischen Situation seines Bistums Rechnung. Der gesellschaftspolitisch ausgesprochen konservative Erzbischof stand sowohl der Zentrumspartei als auch den sozialreformerischen Bestrebungen distanziert gegenüber, u.a. auch aus Angst vor gesellschaftspolitischen Positionsverlusten für die Kirche.


1914 fiel von Hartmann die Führung des preußischen Episkopates zu. Er war von der Rechtmäßigkeit des deutschen Kriegsführung überzeugt, teilweise war er durch mangelnde Entscheidungsfreude politisch überfordert. Als Kaisertreuer fand er sich nur schwer mit einem parlamentarisch- demokratischen Staat zurecht, er starb mit 67 Jahren.

Karl Joseph Schulte (1920 - 1941)
Schulte wurde 1909 mit nur 38 Jahren überraschend zum Bischof von Paderborn gewählt. Er zeigte sich weitsichtig und aufgeschlossen, sprach sich für die interkonfessionellen Christlichen Gewerkschaften und für die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts. Auf Wunsch Roms und der staatlichen Stellen in Berlin wurde er 1920 zum jüngsten Kölner Erzbischof des 20. Jahrhunderts gewählt. Durch seine Anregungen und Impulse kam es zu einer Aufbruchstimmung und innerdiözesane Reformen. Schulte, seit 1921 Kardinal, wurde einer der Wortführer im preußischen Episkopat. Seine sozialen und sozialpolitischen Aktivitäten prägten die Notzeiten der frühen zwanziger Jahre, während der Wirtschafts- und Ernährungskrise rief er zu großen, weltweiten Hilfsaktionen für die rheinische Bevölkerung auf.

 

In politischen Fragen war er stets zurückhaltend. Er erahnte früh die politischen Bestrebungen Hitlers und sah die Situation nüchtern und illusionslos, konnte aber keine Zeichen setzen, um den Gläubigen Orientierung in ihrer Ablehnung des Nationalsozialismus zu geben. Schulte versuchte zwar alles, um den Zusammenhalt des Erzbistums zu ermöglichen, blieb aber nach außen hin defensiv. Teile der Jugendbewegung oder jüngeren Klerus kritisierten die defensive Haltung. Schulte aber erkannte wohl früh die Skrupellosigkeit und Radikalität der Machthaber und er hielt sich auf Grund seines Herzleidens, aber auch einer tief verinnerlichten Obrigkeitstreue zurück.

 

Die atheistische Ideologie und der absolute Machtanspruch waren etwas völlig Neues. Die Tradition der Einheit von Kirchen- und Staatstreue machte es den Bischöfen unmöglich, dem Regime die Loyalität aufzukündigen. Dennoch dachten andere Bischöfe an einen begrenzten aber deutlichen Konfrontationskurs gegen Regierung und Staat. Schulte trat dem entgegen und suchte eher nach Wegen den Kern kirchlichen Wirkens nicht zu gefährden und den Katholiken eine "Bewährungsprobe des Entweder-Oder" zu ersparen. Schulte starb an Herzversagen während eines nächtlichen Fliegerangriffes aus Köln.

Josef Frings (1942 - 1969)
Frings wurde nach 20 Jahren in der Pfarrseelsorge und Leitung des Priesterseminars 1942 als 55-Jähriger überraschend durch das Domkapitel zum Erzbischof gewählt. Trotz Beschränkung auf Seelsorge und Liturgie durch das NS-Regime war die Kirche im Inneren sehr lebendig. Es nahmen viele an Frings´ Bischofsweihe und seiner pastoralen Rundreise durch das Erzbistum teil. Die Diözesanen identifizierten sich mit ihrem Bischof u.a. auch wegen seinem einfach-prasiorientierten Denken. Frings prangerte die menschenfeindlichen identifizierten sich mit ihrem Bischof u.a. auch wegen seines praxiorientierten Denkens. Frings prangerte die menschenfeindlichen NS-Maßnahmen und die Tötung der Juden öffentlich an.

 

In der "Stunde Null" kümmerte sich Frings unverzüglich um den Neuaufbau der diözesanen Strukturen und des kirchlichen Lebens. Als Leiter der Bischofskonferenz wurde er zum Sprecher des katholischen Bevölkerungsanteils in Deutschland. Zusammen mit dem ev. Landesbischof Wurm wandte er sich in humanitären Fragen an die Siegermächte, er trat sowohl für die Anliegen der Kirche als auch Bevölkerungsteilen ein und wies auf Ungerechtigkeit und untragbare Härten hin. Berühmt wurde er durch den öffentlichen Hinweis auf die moralisch erlaubte Selbsthilfe durch Mundraub, "Fringsen" genannt.

 

Die katholische Kirche, als einzige Institution während der Diktatur intakt geblieben, wurde von den Siegermächten beim Neuaufbau ernst genommen. Trotz politischer Isolation konnte Frings reisen und er nutzte das humanitär und auch kirchenpolitisch. Als Ausdruck kirchlichen Selbstbewusstseins gestaltete Frings 1948 eine große 700-Jahr-Feier der Grundsteinlegung des Kölner Doms. Er bestimmt maßgeblich zwei Jahrzehnte lang die kirchliche Entwicklung in Deutschland mit. Dabei kam ihm sein Gespür zur Auswahl seiner Mitarbeiter und Berater zugute.

 

Durch eine Diözesankirchensteuer und den wirtschaftlichen Aufschwung bekam die Leitung des Erzbistums unerwartete Spielräume und stärkten den Einfluss des Erzbischofs. Trotzdem blieb er sozialpolitisch orientiert. Frings spielte beim zweiten Vatikanischen Konzil in Rom eine viel beachtete Rolle, seine Intervention beeinflusste die Zusammensetzung Konzilskommissionen und gab den Anstoß zur Umgestaltung des heiligen Offiziums. Auf Grund einer Augenerkrankung gab Frings 1965 die Leitung der Bischofskonferenz und 1969 auch die Leitung des Bistums an den designierten Nachfolger ab. Frings lebte weiterhin in Köln und starb erblindet im Dezember 1978.

Joseph Höffner (1969 - 1987)
Höffner wurde mit 62 Jahren zum Koadjutor in Köln ernannt. Nach dem Studium, Promotion und Priesterweihe schlug er die wissenschaftliche Laufbahn ein. Seine steile akademische Karriere begann als Professor am Trierer Priesterseminar, später an der Universität München. Als Fachmann für Sozialwissenschaften, Sozialpolitik und Sozialgeschichte war er ein allseits sehr gefragter Ratgeber. Er arbeitete an der Verfassung seines Heimatlandes Rheinland-Pfalz und an sozialen Innovationen der Bundespolitik während der Adenauerzeit mit. Mit 55 Jahren wurde er Bischof von Münster.

 

Seine Wahl zum Erzbischof im Februar 1969 fiel in eine gesellschaftlich und innerkirchlich äußerst unruhige Zeit. Seine vordringlichste Aufgabe, mit Hilfe seines Generalvikars Nettekoven, war der Umbau der Diözesanstrukturen nach den Vorgaben des Vatikanums und die Hinführung zu neuen pastoralen Wegen. Trotz seiner wenig volkstümlichen Art genoß Höffner stets hohe Achtung unter seinen Erzdiözesanen. Er verband große Sensibilität mit der Nüchternheit des erfolgreichen Wissenschaftlers. Bei der sehr schwierigen Verwirklichung der hohen Ziele des Konzils bewahrte er sich immer eine ausgesprochene Sachlichkeit und scheute sich nie kirchen- oder gesellschaftpolitische Themen anzusprechen und unbequeme Positionen zu vertreten.


Seine persönlichen Voraussetzungen prädestinierten ihn für höchste Aufgaben im Rahmen des deutschen Episkopates und der Weltkirche. Er erfüllte die Erwartungen, auch die konkreten Lebensbedingungen der Menschen in den Blick zu nehmen. 1976 wurde er zum Vorsitzenden der deutschen Bischöfe gewählt. Seine mitinitiierte Aussöhnung mit den polnischen Bischöfen spielte eine mitentscheidende Rolle bei der Wahl des ersten nichtitalienischen Papst. Höhepunkte seiner Amtszeit waren zwei Deutschlandbesuche des Heiligen Vaters. Sein Amtsverzicht wegen einer bösartigen Tumorerkrankung wurde im September 1987 angenommen, Höffner starb einen Monat später.

Joachim Meisner (1989 - 2014) 

Joachim Meisner, geboren 1933, Nichtrheinländer, wurde 1962 nach dem Theologiestudium mit Promotion in Erfurt Priester, später Weihbischof und 1980 Bischof von Berlin. Als Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz und seit 1983 Kardinal, wurde er zum wichtigsten Kirchenführer im Bereich der DDR. Es war aufsehenerregend als Meisner 1988 zum Erzbischof eines westdeutschen Bistums ernannt wurde, lange vor der politischen Wende. Seiner Ernennung ging eine ungewöhnlich lange und bewegte Vakanzzeit voraus, die aber nicht mit seiner Person zusammenhing.

 

Der Kardinal versuchte sich rasch in das auch kirchlich neue Umfeld hineinzufinden. Er brachte keine Berater mit, sondern verließ sich u.a. auf die Fachkompetenz des Generalvikars Feldhoff. Meisner wies in seiner Amtszeit unermüdlich auf die Glaubenskrise als menschlich-gesellschaftliches Kernproblem und die Chancen der christlichen Botschaft und des kirchlichen Auftrags hin.