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Die Kölner Kirche im 20. Jahrhundert

Das Erzbistum in der Weimarer Republik (1919 - 1933)

Die Kirche in veränderter politisch-gesellschaftlicher Lage
Die Ausrufung der Republik 1918 hatte für Gesellschaft und Kultur tiefgreifende Folgen. Erzbischof von Hartmann konnte den Umsturz schwer verwinden, trotzdem wirkten auch Kölner Katholiken bei der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung mit. Vor allem auf der kommunalen Ebene engagierte sich der Klerus wie nie zuvor in Deutschland. Ein Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Preußen sicherte u.a. das Bischofswahlrecht der Domkapitel. Der liberale und demokratische Staat bedurfte neuer Ansätze.

 

Organisatorische Neuerungen im Erzbistum
Der Umbruch in Deutschland 1918/19 sowie der Amtsantritt des neuen Erzbischofs Schulte brachten Bewegung ins Erzbistum. Eine Diözesansynode gab wichtige Impulse: Einführung von Kirchensteuern in den Pfarreien, Gründung von Finanzverwaltungen. Köln erhielt mit dem Stadtdechanten eine Koordinierungs- und Zwischeninstanz. Das Priesterseminar wurde nach Bensberg verlegt. Die Verwaltung des großen Erzbistums wurde immer schwerer (mittlerweile 3,5 Mio. Katholiken). 1930 trat Köln dem neuen Erzbistum Aachen fast 40 % der Dekanate, ein Drittel seiner Gläubigen und fast die Hälfte der Diözesanpriester ab.

 

Neue Intitiativen und Herausforderungen in der Seelsorge
In den zwanziger Jahren veränderte sich das Kirchenbewusstsein. Die "Liturgische Bewegung" wurde vor allem über die Jugend in breitere Kreise der Gläubigen getragen. Man besann sich mehr auf die Beziehung Mensch-Gott bzw. Gemeinde Gott, betonte mehr die Pfarrseelsorge und die religiös-soziale Richtung.

 

Domkapitular Stoffels, später auch Weihbischof, war den entsprechenden Erfordernissen sehr aufgeschlossen. Jetzt durften Frauen in den Kirchenchören mitsingen. Die Seelsorgearbeit in den Städten hatte ihre Grenzen. Mischehen waren ein großes Problem. Die starke Integration der Katholiken in Staat und Gesellschaft hatte negative Auswirkungen, z.B. ging die katholische Tagespresse zurück. Andrerseits gab es auch ermutigende Tendenzen: aus den Städten kamen bis zu 90% der Neupriester.

 

Jugendbewegungen fühlten sich durch Gruppen angesprochen, die bewusst auf religiös-geistiger und sittlicher Erneuerung und spürbare Gemeinschaft Wert legten. Die Verbandszentrale der gesamt katholischen Jugend befand sich in Düsseldorf. Ihren Leitern gelang es, die jugendgerechte Freizeitgestaltung mit bewusster katholischer Identität zu verbinden. Der Essener Katholikentag 1932 sollte für 16 schwere Jahre der letzte gewesen sein.

Neuaufbruch von Kirchenbau und sakraler Kunst
Die nach dem Kulturkampf begonnene Bautätigkeit setzte sich vor allem in den Großstädten mit dem Bau bedeutender neugotischer und neuromanischer Kirchen fort.

 

Der Rahmen der doktrinären Neugotik begann aufzubrechen, man ging freier mit Stilelementen um. Experimente führten zum Eklat. Erzbischof Fischer sah in der Gotik, Romantik und des Übergangsstile den einzig würdigen Ausdruck kirchlicher Kunst. Trotzdem war die Entwicklung unaufhaltsam, die Diözesansynode 1922 ließ den Künstlern jede Freiheit. Die neuen technischen Möglichkeiten durch Stahl und Beton boten Voraussetzungen für den Weg in die Moderne. Die "Liturgische Bewegung" inspirierte auch die Künstler. Es kam zur Abkehr weg von überladenen Kirchenausstattungen hin zu nüchternen Formen: "christozentrischer Kirchenbau". Einen Schwerpunkt dieser Entwicklung bildete das Erzbistum Köln z.B. durch die Restaurierung der alten romanische Kirche St. Georg, in der die reinen architektonischen Formen betont wurden. 

 

Der Neuaufbruch hatte auch Auswirkungen in den übrigen Bereichen der sakralen Kunst, wie der Glasmalerei, Mosaik und Wandmalerei, aber auch der Goldschmiede- und Paramentenkunst. Einige expressionistisch beeinflussten Wandmalereien und Fensterentwürfe blieben aber umstritten.