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Die Kölner Kirche im 20. Jahrhundert

Das Erzbistum Köln im Dritten Reich (1933 - 1945)

Hitlers Machtübernahme
Der Nationalsozialismus war den Bischöfen nicht unbekannt. Den Nazis war z.B. die Teilnahme an gottesdienstlichen Veranstaltungen verboten, sie sollten (ebenso wie aktive Sozialisten) von den Sakramenten ausgeschlossen bleiben. Die Kirche lehnte konsequent die nationalsozialistischen Lehren ab. Die NSDAP löste zunächst politisch relevante Organsiationen auf. Trotz einer geschaffenen Rechtsbasis zur Verteidigung kirchlicher Interessen, wurde Bereiche katholischen Lebens bekämpft.

 

Kirche unter dem Druck von Staat und Regime
Der NS-Staat zielte auf totale Unterwerfung andersdenkender Gesellschaftsteile, u.a. auch der katholischen Kirche. Die Taktik richtete sich nicht unmittelbar gegen die Amtskirche. Durch Verordnungen, Gesetze und Schikanen katholisches Milieu, Traditionen, Werte und Normen aufgeweicht und aufgelöst werden. Den Vereinen und Verbänden wurde die Basis entzogen, vielfach folgte die Zwangsauflösung. Die katholische Presse wurde ausgeschaltet.

 

1939 wurde das konfessionell gebundene Schulwesen trotz Protesten abgeschafft. Der Religionsunterricht durch Geistliche war schon länger verboten, die katechetische Unterweisung in den Pfarreien gewann an Bedeutung. Die Entwicklung verlief unterschiedlich, die Identifizierung mit der Kirche war stark, Wallfahrten und Kirchenbesuche hatten Konjunktur. Man hoffte dadurch die Grundlagen der eigenen Arbeit eher zu retten. Manche Verbände vermissten gerade die Unterstützung ihres Erzbischofs Schulte. Dieser und der Generalvikar suchten zwar nach Möglichkeiten, Maßnahmen zu verhindern, den Druck auszuhalten, der grundsätzliche Gehorsam gegenüber der staatlichen Obrigkeit wurde aber nicht in Frage gestellt.

 

Schulte hatte nach dem Besuch beim Reichskanzler 1934 eine wirklichkeitsnahe Einschätzung Hitlers und der Gefahren durch Protest und Widerstand. Für ihn war nun entscheidend, die NS-Beeinflussung zu verhindern und dem Volk das volle Glaubensgut der hl. Kirche zu bewahren. Schulte gründete eine Abwehrstelle gegen die nationalsozialistische antichristliche Ideologie. Ihr Leiter und späterer Generalvikar Teusch engagierte sich mutig, u.a. durch Kleinschriften und den in ganz Deutschland verbreiteten "Kathechismuswahrheiten".

 

Der Klerus als Stütze der Kirche besaß weiterhin Autorität und Führungsrolle innerhalb der katholischen Bevölkerung. Das Regime versuchte einen Keil zwischen Priestertum und Kirchenvolk zu treiben. Jeder Geistliche konnte mit seiner Arbeit in die Schusslinie des Regimes geraten. Für die Seelsorge gründete der Erzbischof 1937 ein Referat mit dessen Hilfe die Arbeit der Vereine und Verbände im innerkirchlichen Bereich fortgeführt werden sollte. Seelsorgeämter waren wichtig zur Bewältigung der Großstadtseelsorge. Dem NS-Regime gelang es nicht, das katholische Milieu oder die Autorität der Priester entscheidend zu schwächen, was u.a. durch die Wallfahrten, Prozessionen, Bekenntnistag und Großveranstaltungen immer wieder deutlich wurde.

Aus der Öffentlichkeit verdrängt - die Kirche in den Kriegsjahren
Die Schikanen gingen auch während des Krieges in drastischer Form weiter und drängten kirchliches Wirken aus der Öffentlichkeit hinter die Kirchenmauern zurück. Durch Arbeitsdienst und Kinderlandverschickung veränderte sich die Form der Seelsorge. Junge Geistliche wurden in die Evakuiertenseelsorge nach Mitteldeutschland geschickt. Der Schutz der Kunstgegenstände und historischen Dokumente, sowie eine Notverwaltung nach der Zerstörung des Generalvikariatsgebäudes nahmen eine wichtige Rolle ein. Die Sorge ums Überleben und später die ersten stillen Pläne für einen Neuanfang bestimmten das Leben der Kölner Kirche.



Schuldfrage, Widerstand, Bekenner und Märtyrer
Die Kirche hat sich dem Unterwerfungsanspruch widersetzt, ob offensivere Politik Entscheidendes hätte verhindern können, ist ungewiss. Die Mehrheit der Katholiken hat sich ihren Glauben und ihr waches Gewissen bewahrt, engagierte Mitgliedschaft in NS-Organisationen war die Ausnahme.

 

Der Klerus enthielt sich jeder parteipolitischen Betätigung und ideologischen Annäherung an das System. In einem gemeinsamen Hirtenbrief der Bischöfe leugneten sie aber auch nicht die Schuld der Kirche. Weniger als 1/2% der 2.486 Geistlichen übten - vor durch Erpressung - Spitzeldienste für die Gestapo aus. Dagegen mussten 134 Priester und Ordensleute in Haft, 19 in KZ-Haft, 6 kamen dort gewaltsam zu Tode. Hunderte erduldeten staatliche Zwangsmaßnahmen. Laien aber auch Priester gingen in den aktiven politischen Widerstand.