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Reaktionen auf den Tod von Kardinal Meisner

"Für das Wohl der Menschen in Ost und West"

Beileids-Telegramm von Papst Franziskus an Kardinal Woelki:

 

„Seiner Eminenz

Rainer Maria Kardinal Woelki
Erzbischof von Köln

 

Mit innerer Anteilnahme habe ich die Nachricht aufgenommen, dass der barmherzige Gott Joachim Kardinal Meisner plötzlich und unerwartet von dieser Welt abberufen hat.

 

Ich verbinde mich mit Ihnen und den Gläubigen des Erzbistums Köln im Gebet für den verstorbenen Hirten. Aus einem tiefen Glauben und einer aufrichtigen Liebe zur Kirche heraus ist Kardinal Meisner für die frohe Botschaft eingetreten. Christus, der Herr, lohne ihm seinen treuen und unerschrockenen Einsatz für das Wohl der Menschen in Ost und West und schenke ihm Anteil an der Gemeinschaft der Heiligen im Himmel. Von Herzen erteile ich allen, die des Verstorbenen im Gebet und Opfer gedenken, den apostolischen Segen.
Papst Franziskus“

"Gott im Zentrum seines Denkens und Handelns"

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln

[...] In all den Jahren habe ich Kardinal Meisner als entschiedenen Streiter für den Glauben erlebt, dem er selbst alles untergeordnet hat. Er war ein Mann des Gebetes und der Kirche, die er zutiefst liebte. Seine Biographie war ein Spiegel der europäischen Geschichte: Er kannte die Katastrophe des Krieges, Flucht, Vertreibung und das Leben in einer Diktatur, die Gott an den Rand drängen wollte.


Diese Erfahrungen haben das Leben von Kardinal Meisner existenziell geprägt. Deshalb schreckte er auch vor kontroversen Debatten nicht zurück, wann immer er den Glauben durch Relativismus bedroht sah. In allem, was er tat und sagte, stand für ihn Gott im Zentrum seines Denkens und Handelns. Weil er um Gott wusste, wusste er auch um den Menschen. Deshalb kämpfte er unerbittlich für dessen Lebensschutz von Anfang an bis zu seinem Ende. Deshalb forderte er im gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Dialog immer auch die Perspektive des Glaubens ein. Weil er um Flucht und Vertreibung wusste, hat er sich wie kein Zweiter um eine Aussöhnung mit den Kirchen Osteuropas und deren Freiheit eingesetzt.


Sein fester Glaube und die Treue zu Christus machten ihn zu einem gefragten Berater der Kurie und zu einem geschätzten Ratgeber insbesondere für die beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI., mit dem er hier in Köln den Weltjugendtag 2005 feierte.


Für seinen Dienst an unserem Erzbistum, dem er 25 Jahre lang vorgestanden hat, gilt dem Verstorbenen unser aller und ganz besonders auch mein persönlicher Dank. Der Herr möge ihn jetzt auf ewig das schauen lassen, was er als Priester und Bischof ein Leben lang so glaubwürdig und engagiert bezeugt und gefeiert hat.

 

> Kondolenz von Kardinal Woelki im vollen Wortlaut

"Inspirierende Leidenschaft für die Botschaft Christi"

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising:

„Mit Trauer und Betroffenheit musste ich heute die Nachricht vom Tod von Kardinal Joachim Meisner zur Kenntnis nehmen. Der Verstorbene war mit hohem Alter gesegnet, doch nun hat ihn sein Schöpfer, Gott unser Herr, zu sich heimgerufen. Mit seinem Tod verliert die Kirche in Deutschland einen gläubigen Katholiken, der bis zuletzt Position bezogen hat zu seinen Überzeugungen und der sein Wissen und seine Kompetenzen viele Jahre in die katholische Kirche einbrachte. Kardinal Meisner, dessen Frömmigkeit und theologische Argumentation mich immer beeindruckt haben, war ein mutiger Kämpfer. Er war bereit, öffentlich anzuecken und hielt mit seiner Meinung nicht zurück. Gerade die Erfahrungen in der früheren DDR machten ihn zu einem unverzagten Kämpfer für den Glauben.

 

Im Jahr 1933 in Breslau geboren, erlebte Joachim Meisner den Krieg aus nächster Nähe mit. Seine Familie musste nach Thüringen flüchten, wo er 1956 das Abitur nachholte um Theologie und Philosophie in Erfurt studieren zu können. Dort erhielt er kurz nach dem Ende des Studiums im Jahr 1962 die Priesterweihe und promovierte 1969 zum Doktor der Theologie in Rom.

 

Der Verstorbene hat aufopferungsvoll die katholische Kirche im geteilten Deutschland geprägt. Dabei denke ich an seine Zeit als Weihbischof in Erfurt und dann an die Jahre als Bischof von Berlin. Insbesondere in der DDR wollte er den Katholiken Christus verkünden und eine Perspektive bieten. Mit seinem Talent zur Sprache konnte er auch als Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz viel bewirken. Dabei hielt er sich in der DDR immer auf Distanz zu den Mächtigen, weil ihm die Freiheit des Glaubens wichtiger war.

 

Sein Wahlspruch ‚Spes nostra firma – Unsere Hoffnung für Euch steht fest‘ steht für seinen unermüdlichen Einsatz, den Menschen Hoffnung zu geben. Als Erzbischof von Köln und Kardinal der Weltkirche hat Kardinal Meisner 25 Jahre lang das Erzbistum Köln geprägt. Mit der Vereinigung der Berliner Ordinarienkonferenz mit der Deutschen Bischofskonferenz im Jahre 1990 gelang eine weitere Form der Wiedervereinigung. Unermüdlich und mit großem Engagement hat sich Kardinal Meisner in die Arbeit der Deutschen Bischofskonferenz eingebracht. Ich erinnere an seinen langjährigen Vorsitz der Liturgiekommission und den engagierten Vorsitz der Unterkommission für Mittel- und Osteuropa der Deutschen Bischofskonferenz und sein Engagement für die Solidaritätsaktion Renovabis. Unvergessen ist der Einsatz von Kardinal Meisner für den Weltjugendtag 2005 in Köln und für den Besuch von Papst Benedikt XVI. Dieses Glaubensfest wirkt in der Kirche Deutschlands bis heute nach.

 

Kardinal Meisner verstand sein Amt als Dienst für Gott und die Kirche. So hat er stets engagiert seine Botschaft verkündet. Unvergessen ist sein Talent mitreißender Predigten und pointierter Vorträge. Weltkirchlich wirkte er in verschiedenen Funktionen in Rom bis in sein hohes Alter mit. Von uns geht ein Seelsorger und Hirte, ein Bischof und Prediger, der für uns in lebhafter Erinnerung bleibt. Seine Frömmigkeit und sein Wunsch, in der Eucharistie und im Gebet Gott zu begegnen, haben sein Leben geprägt.

 

In dieser Stunde des Abschieds gilt unser Mitgefühl den Gläubigen des Erzbistums Köln und jenen Menschen, die dem Verstorbenen besonders nahe waren, Menschen, die mit ihm Jahre lang Hand in Hand gearbeitet haben und die ihm zum Freund geworden sind.

 

Wir deutschen Bischöfe sind zutiefst dankbar für seinen vielfältigen und engagierten Einsatz. Persönlich möchte ich sagen, dass mich seine Leidenschaft für die Botschaft Christi einzutreten, immer inspiriert hat. Dafür bin ich ihm über den Tod hinaus dankbar.“

Aussöhnung mit Polen, Tschechen und Slowaken

Erzbischof Heiner Koch, Berlin:

"Wir sind gekommen, ihn anzubeten" (Mt 2, 2) Dieses Leitwort, Worte der Hl. Drei Könige aus dem Matthäusevangelium, hatte der von Kardinal Meisner so hoch verehrte und später heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. dem Kölner Weltjugendtag als Leitwort gegeben. Während der zweijährigen Vorbereitung dieser Tage spürte ich immer mehr, daß Kardinal Meisner diesen Satz auch als Leitwort für sein Leben und Wirken verstand: Immer wieder in der Gemeinschaft der Kirche sich auf den Weg machen, um Gott die Ehre zu geben in Tat und Wort. Ich bin Kardinal Meisner dankbar für das Vertrauen, das er mir schenkte, vor allem natürlich für die Weihe zum Bischof, die er mir am 7. Mai 2006 im Kölner Dom spendete. Ich bin ihm auch dankbar für seinen Dienst als Bischof von Berlin von 1980 bis 1989. Unbeeindruckt von den Versuchen kommunistischer Einflussnahme hielt er an der Einheit des Bistums Berlin fest und trieb die Annäherung und Aussöhnung mit Polen, Tschechen und Slowaken voran. Diesem Vermächtnis fühle ich mich als sein Nachfolger zutiefst verpflichtet.


Mit den Christen unseres Bistums bete ich, daß Kardinal Meisner nun Gott schauen darf, dem er in seinem Leben die Ehre gab.“

"Begeistert und verlässlich"

Erzbischof Stefan Heße, Hamburg:

Als „Mann von großer Begeisterungsfähigkeit und Verlässlichkeit" hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße den verstorbenen Kardinal Joachim Meisner gewürdigt. „Mit Dankbarkeit denke ich an Kardinal Meisner. Er hat mich 1993 zum Priester geweiht und später in wichtige Aufgaben im Erzbistum Köln berufen. Ich habe immer gespürt, dass der Erzbischof hinter mir stand", sagte Heße am Mittwoch, 5. Juli, in Hamburg. „Wenn wir etwas miteinander besprochen hatten, konnte ich mich stets auf ihn verlassen. Und ich habe seine Begeisterungsfähigkeit geschätzt. Er hat für den Glauben gebrannt", so Heße.

"Du, Joachim, hast eine slawische Seele"

 Bischof Sasik beim Requiem für Kardinal Meisner im Kölner Dom

Bischof Milan Šašik C.M., Griechisch-katholische Diözese von Mukachevo, Ukraine:

Kardinal Meisner war nicht nur für die Kirche in Deutschland im 20. Jahrhundert eine große Persönlichkeit, sondern darüber hinaus besonders für Osteuropa. Er war ein großer Freund und Förderer der Kirchen in Osteuropa. 1990 wurde unter seinem Vorsitz die „Unterkommission für Mittel- und Osteuropa“ der Deutschen Bischofskonferenz eingerichtet und geleitet. Er hatte eine besondere Sensibilität im Umgang mit Menschen und ein „hörendes Herz“. Er teilte stets unsere Leiden in Osteuropa, und er teilte auch immer unsere Freuden!

 

"Du, Joachim, hast eine slawische Seele", sagte damals der Erzbischof von Krakau Karol Wojtyła zu Joachim Meisner, als Sie sich 1975 zum ersten Mal begegneten. Dieser Charakterisierung kann ich aus unserer langjährigen Freundschaft heraus nur zustimmen, weil er wirklich eine slawische Seele hatte. [...]

 

Unser letztes Treffen war am 25. Juni 2017 in Vilnius bei der Seligsprechung von Teofilius Matulionis. [...] Am Abend haben wir mit ihm lange über die aktuelle Lage in Deutschland gesprochen und er wollte mehr über die Lage in der Ost-Ukraine und besonders über unsere Diözese von Mukachevo wissen. Zum Schluss haben wir uns verabschiedet und vereinbart, dass ich ihn im November 2017 in Köln besuchen werde. Aber wie ich leider eine Woche später erfuhr, musste ich ihn in Köln nicht im November, sondern im Juli auf seinem letzten irdischen Weg begleiten. Ich war schockiert und wollte es zuerst nicht glauben, da er noch ganz fit im Kopf war.

 

Die Kirchen in Osteuropa trauern mit dem Erzbistum Köln und der ganzen katholischen Kirche in Deutschland um S. E. Joachim Kardinal Meisner. Für die katholische Kirche hier auf Erden ist es ein großer Verlust. Doch wird er uns allen ein guter und mächtiger Fürsprecher im Himmel sein!

 

> Vollständiger Text (PDF)

"Ein großer Freund der Sternsinger"

Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger’

Aachen. Das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger’ trauert um Kardinal Joachim Meisner. Wie das Erzbistum Köln mitteilte, verstarb der frühere Erzbischof von Köln am heutigen Mittwoch im Alter von 83 Jahren. „Kardinal Meisner war immer ein großer Freund der Sternsinger. Wir sind ihm dankbar für die langjährige Unterstützung der Aktion Dreikönigssingen“, würdigt Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks, den Einsatz Meisners für die Sternsinger. „In großer Verbundenheit nehmen wir Abschied von Kardinal Meisner“.

 

Stets hatte der Kölner Alt-Erzbischof die Verbundenheit seiner Stadt und seines Erzbistums mit der Aktion Dreikönigssingen betont. „Die Heiligen Drei Könige und Köln, die Sternsinger und der Kölner Dom – das gehört untrennbar zusammen“, machte Kardinal Meisner etwa bei der Eröffnung der 56. Aktion Dreikönigssingen 2014 deutlich. „Die Heiligen Drei Könige können sich freuen. Sie haben Nachfolger gefunden, die sich sehen lassen können“, lobte er das Engagement der vielen Jungen und Mädchen.

 

Die Sternsinger durften in Köln gleich drei bundesweite Eröffnungen feiern, was dem Kardinal ein besonderes Anliegen war. Nach den Eröffnungen im Kölner Dom zogen die Sternsinger jedes Mal unter dem Schrein der Heiligen Drei Könige hindurch aus dem Dom. „Der Kardinal hat jedem einzelnen Sternsinger persönlich per Handschlag für seinen Einsatz gedankt. Vor allem zum 850. Jahrestag der Überführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom war dies ein beeindruckendes Zeichen“, erinnert sich Prälat Krämer.

 

Zur Eröffnung der Sternsingeraktion 2014, im letzten Amtsjahr Meisners, feierten rund 4.000 Sternsinger, so viele kleine Könige wie nie, in der Domstadt den Startschuss zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Neben 2014 eröffnete der verstorbene Kardinal die Aktion Dreikönigssingen 1990 und 2005 mit jeweils 3.000 Sternsingern in der Kölner Kathedrale.

"Starker Fürsprecher für alle Anliegen, Sorgen und Hoffnungen der Kirche im Osten Europas"

Renovabis – Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa

Mit tiefer Trauer hat Renovabis die Nachricht vom Tod seines früheren Trägerkreis-Vorsitzenden und emeritierten Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner aufgenommen. „Kardinal Meisner hat als der für Renovabis zuständige Bischof in der Deutschen Bischofskonferenz unserem damals neuen weltkirchlichen Hilfswerk Auftrieb und treuen Rückhalt gegeben. Für die Partner von Renovabis war er ein gefragter und zuverlässiger Ansprechpartner“, so hat der Hauptgeschäftsührer von Renovabis, Pfarrer Dr. Christian Hartl, diesen Wegbereiter und Förderer des Osteuropa-Hilfswerks gewürdigt: „Bis zuletzt viel im Osten unterwegs, war Kardinal Meisner dort das Gesicht der deutschen Kirche.“ Pfarrer Hartl war dieser Gründungs­persönlichkeit der Solidaritätsaktion noch kürzlich bei der diesjährigen Kampagneneröffnung in Köln begegnet.

 

Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert, der die Ost­europa-Arbeit — lange Zeit im engen Zusammenwirken mit Meisner in Bonn und Freising — seit mehr als drei Jahrzehnten mitgestalten konnte, betont „das große Herz dieses Kardinals“, so Albert, und weiter: „Er war ein starker Fürsprecher für alle Anliegen, Sorgen und Hoffnungen der Kirche im Osten Europas.“

 

Kardinal Meisner war Ende 1988 von Papst Johannes Paul II. als Bischof von Berlin zum Erzbischof von Köln ernannt worden. Seit seiner Amtseinführung im Februar 1989 leitete er bis zum 28. Februar 2014 die Erzdiözese am Rhein, insgesamt 25 Jahre. Als aus der DDR stammendes Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz kümmerte sich Meisner nach dem Fall des Eisernen Vorhangs um die Belange und die von ihm stets gepflegten Kontakte mit der Kirche im Osten Europas. 1990 wurde unter seinem Vorsitz die „Unterkommission für Mittel- und Osteuropa“ der Deutschen Bischofs­konferenz eingerichtet. Kardinal Meisner knüpfte weiter an seinem Netzwerk vielfältigste christlicher Freunde im damals zerbröckelnden Ostblock und nutzte seine Kenntnis über die Zusammenhänge, um seitens der deutschen Ortskirche im Schulterschluss mit verschiedenen kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Bemühungen — darunter dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken — eine Grundlage für die solidarische Hilfe für den Osten Europas zu schaffen.

 

Renovabis sei dem Verstorbenen sehr dankbar für die vertrauensvolle und zielgerichtete Zusammenarbeit in so vielen Projekten. Seinerseits sei der Kölner Erzbischof den Projektpartnern, aber auch den Mit­arbeiterinnen und Mitarbeitern des Hilfswerks sehr verbunden gewesen, sagten die Renovabis-Geschäftsführer.

"Seine Stimme fand Gehör"

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen:

„Mit großer Trauer habe ich heute Morgen erfahren, dass der frühere Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, im Alter von 83 Jahren gestorben ist. Mit Kardinal Meisner verlieren wir eine der prägenden Persönlichkeiten der Katholischen Kirche, einen leidenschaftlichen Seelsorger und streitbaren Theologen, der für seinen Glauben und seine Kirche in einzigartiger Weise einstand und für seine Klarheit und seine Frömmigkeit respektiert wurde. [...]

 

Der Wechsel aus dem preußischen Berlin ins katholische Rheinland war ein kultureller Bruch, und er war für ihn selbst wie auch für seine Gläubigen immer wieder spürbar. Aber die Gläubigen im Erzbistum und wir alle, auch die, die in der Politik Verantwortung tragen und trugen, wussten, was sie an ihrem Kardinal hatten.

 

Er war ein wichtiger, uns immer verlässlicher Ansprechpartner der Landespolitik und eine der bedeutenden Persönlichkeiten unseres Landes. Joachim Kardinal Meisner war ein Mann, der stets den Mut hatte, auch unpopuläre Positionen zu vertreten. Durch seine pointierten und kritischen Einlassungen hat er wichtige gesellschaftliche, politische und kirchliche Debatten unserer Zeit geprägt. Er konnte dies, weil seine Positionen und seine Haltungen auf dem festen Fundament seines christlichen Glaubens standen.

 

Mit seinem Tod geht ein Leben zu Ende, das auf sehr eindrucksvolle Weise die wechselvolle Geschichte unseres Landes und der Katholischen Kirche nach 1945 widerspiegelt. Zu den frühen Prägungen Kardinal Meisners gehört die Erfahrung der Vertreibung. Oft hat er dieses Erlebnis eindrucksvoll geschildert, und allein dadurch den vielen Heimatvertriebenen, die in Nordrhein-Westfalen ein Zuhause gefunden haben, Trost gespendet und Anerkennung geschenkt.

 

In der damaligen DDR erlebte der gebürtige Breslauer einen autoritären Staat, der den christlichen Glauben als Gefahr fürchtete und Gläubige wie Repräsentanten der christlichen Kirchen schikanierte und bekämpfte. Davon ließ sich Joachim Meisner nicht entmutigen, im Gegenteil. In Erfurt studierte er Theologie, wurde dort und später dann im geteilten Berlin Bischof.

 

Kardinal Meisner verdanken wir in Nordrhein-Westfalen mit dem Weltjugendtag 2005 eines der großen spirituellen Ereignisse unserer Zeit, bei dem die Weltkirche als globale Gemeinschaft erlebbar war, und den Besuch eines Papstes in unserem Bundesland. Viele Bischofsernennungen gehen auf ihn zurück. Sein Rat wurde in der Weltkirche geschätzt.

 

Im Bistum Berlin und dann über ein Vierteljahrhundert hinweg als Erzbischof von Köln stritt Joachim Kardinal Meisner vehement für seine Überzeugungen. Seine kritischen Einlassungen zu grundsätzlichen und aktuellen gesellschaftlichen Themen, zu Fragen der Politik und des Lebens waren immer pointiert und klar. Sie ließen niemanden unberührt, sie waren immer Anstöße, die eigene Position zu überdenken. Mit Kardinal Meisner konnte man streiten, weil seine Position und Haltung stets auf einem festen Fundament ruhten. Für seine Klarheit und seine Frömmigkeit wurde er respektiert. Seine Stimme fand Gehör."

Sorge um Möglichkeiten kirchlichen Lebens in der DDR

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin:

„Viele Katholikinnen und Katholiken in unserer Stadt haben den verstorbenen Joachim Kardinal Meisner aus seinen Jahren als Bischof von Berlin in lebhafter, zum Teil noch persönlicher Erinnerung. Meisner hat in Zeiten der Teilung im geteilten Bistum amtiert und sich mit den heiklen Problemen dieser einzigartigen kirchenpolitischen Konstellation auseinandersetzen müssen. Dies galt ebenso für die katholische Kirche in der DDR insgesamt, deren Berliner Bischofskonferenz er viele Jahre geleitet hat. Die Aufrechterhaltung der Kontakte über die Mauer hinweg und die Sorge um die Möglichkeiten kirchlichen Lebens im Ostteil unserer Stadt sowie in der DDR verdienen unseren Respekt. Joachim Kardinal Meisners Angehörigen, seinen Freunden und Bekannten sowie den trauernden Gläubigen gehört unser Mitgefühl.“

† Kardinal Meisner: Tod und Trauerfeierlichkeiten